Ein Tag in Colmar im Elsass

Colmar, die „Hauptstadt“ der Elsässer Weinstraße, war für mich mit meinen an Kölner Gebäude gewöhnten Augen eine Herausforderung. So eine Stadtbild mit durchweg historischen Gebäuden ist zu viel für mich.

Die Vermutung ich bin in einem bisher geheimen Teil des Europaparks gelandet drängt sich auf, so lückenlos sind die Fassaden in der Innenstadt restauriert. Aber nein, alles echt.

Um es mit einem Satz aus einem meiner liebsten Fernwehfilme zu sagen: „It`s like a fucking fairytale“

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noch ist der Himmel bewölkt…
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Die Martinskirche wurde um 1250 gebaut und im Jahr 1375 fertiggestellt. Colmar ist besonders stolz auf das einzigartige Nikolausportal, welches die wohl uns allen bekannte Nikolauslegende darstellt. Dieses Portal wurde von der alten romanischen Kirche die vor dem gotischen Bau der Martinskirche dort stand übernommen.

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Martinskirche

Mein Highlight der Kirche befindet sich allerdings auf dem Dach und ist weiß gefedert. Auf dem Kirchendach befindet sich, wie auf vielen anderen Häusern im Elsass auch, ein Storchennest. Und großes Glück, der Bewohner zeigt sich sogar!

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Störche sind das Wahrzeichen des Elsass. Und bringen den Elsässern die Babys. Klare Sache. In den anderen Teilen von Frankreich hingegen sagt der Volksmund, dass die Mädchen aus den Rosenknospen und Jungen aus Kohlköpfen entsteigen. Kein Kommentar.

Das älteste in Colmar erhalten Privathaus, „Haus Adolf“ genannt, liegt direkt gegenüber der Martinskirche. Es gibt zwar keine genauen Angaben in den Archiven wann das Haus erbaut wurde – aber die Steine sprechen ihre eigene Sprache. Und die sagt: sehr, sehr alt. Man nimmt an, dass das Haus ungefähr genauso alt ist wie die Kirche.

Heute ist das Haus tiptop im Schuss, wird als Wohnhaus genutzt, ist mit allem Komfort versehen und hat seit der letzten Renovierung sogar einen Aufzug.

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In Colmar gibt es insgesamt über 100 Fachwerkhäuser. Die ältesten von ihnen sind bereits Anfang des 16. Jahrhunderts gebaut worden.

Das Erdgeschoss ist immer aus Stein. Warum? Im Mittelalter hat man noch das ganze Haus aus Holz gebaut, jedoch wurde das Holz knapp und deshalb wurde ein Gesetz erlassen, nachdem die erste Etage immer aus Stein gebaut werden musste damit sich der Holzbestand erholen konnte.

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Fachwerkliebe
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Am Ende des 19. Jahrhunderts war es ein Zeichen von Armut in einem Fachwerkhaus zu wohnen, daher ließen die Leute ihre Fachwerkhäuser verputzen, damit sie wie Steinhäuser aussehen. Seltsame Welt.

Vor 60 Jahren waren die insgesamt über 100 Fachwerkhäuser noch alle überputzt und wurden erst im Laufe der Restaurierung der Gerberviertels wieder freigelegt. Heute kannst Du wenn Du genau hinschaust noch das ein oder andere „Fake-Stein-Haus“ finden. Du erkennst sie an den Holzfensterrahmen.

Grundstücke sind nicht erst heute teuer. Die damalige Lösung: Überhänge. Jede obere Etage wurde einfach etwas breiter gebaut (siehe Bild unten). Auf diese Art konnte man noch den ein oder anderen Quadratmeter rausschlagen.

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Fachwerkhaus mit Überhang

Emaillierte Dachpfannen findet man im Elsass seit dem 16.Jahrhundert, eingeführt wurden sie von den Herren die in die Kreuzzüge gezogen sind, quasi als Souvenir aus der Türkei. Die Türkei wiederum hat das Verfahren aus China. Wieder was gelernt – man weiß ja nie ob man nicht irgendwann mal beim Jauch sitzt und genau diese Frage gestellt bekommt.

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Das Gerberviertel ist musterhaft restauriert worden. Du sucht eine Märchenstadt – hier ist sie!

Typisch für die Gerberhäuser sind die großen Öffnungen in den Dächer. An den Öffnungen wurden früher die Felle der Gerber an der Luft getrocknet. Wie das ganze gerochen haben muss kannst Du Dir ja vorstellen.

Vor ungefähr 50 Jahren war dieses Viertel in einem komplett baufälligen Zustand. Der Stadtrat hatte sogar schon beschlossen das Viertel abreißen zu lassen. Im letzten Moment im Jahr 1962 gab es in Frankreich ein neues Gesetz für den Erhalt von historischen Gebäuden. Das Gerberviertel von Colmar wurde vorm Abriss gerettet. Heute sind die Häuser von außen liebevoll restauriert und im Inneren den modernen Wohnansprüchen angepasst.

Oft sind mehrere Häuser zusammengelegt und Wohnungen gehen über mehrere Gebäude um auf eine Quadratmeterzahl zu kommen um den heutigen Anforderungen an modernes wohnen gerecht zu werden. Aufzug gibts auch. 1975 bekam Colmar sogar die Goldmedaille des Europarates für Denkmalschutz. Wenn Du durch die Straßen schlenderst weißt Du schnell warum.

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Die alte Markhalle dient erst seit zwei Jahren wieder jeden Tag als Markthalle, vorher wurde sie als Parkplatz genutzt. Als Parkplatz – Frechheit!
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Wie in Venedig oder auch Amsterdam liegen in dem Viertel „Klein Venedig“ (überraschender Name) die Häuser direkt am Wasser. Cafés und Restaurants laden direkt am Wasser zu einem Päuschen oder leckeren Essen ein.

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…zum Schluss kommt nochmal die Sonne raus.

Bis bald Colmar – ich komme Dich gerne nochmal besuchen!

Elsass Tourismus hat mich auf diese Reise eingeladen. Herzlichen Dank dafür! Meine Meinung bleibt selbstverständlich meine eigene.

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9 thoughts on “Ein Tag in Colmar im Elsass

  1. 19. April 2013 at 10:05

    Toll!

    1. 20. April 2013 at 21:32

      Danke Conny <3

    2. Birgit
      12. November 2013 at 18:53

      Oh, Colmar ist ja nur hübsch. Ich war so lange nicht da, kommt jetzt aber wieder auf meine Merkliste ;-) Danke für die Bilder. Dir einen feinen Tag, lieber Gruß Birgit

  2. Anonymous
    20. April 2013 at 21:34

    supersüß, das örtchen! ich bilde mir gerade ein, mein französisch-lehrer hat immer von colmar geschwärmt… anscheinend zurecht :-)

  3. 21. April 2013 at 18:24

    Liebe Sarah super Schnappschüsse hast du da gemacht. Ich war letzten September in Strasbourg und konnte dies aber leider nicht mit Colmar verbinden. Muss ich nun aber dringend ändern, denn dieser süsse Ort ist ja nur knappe 2.5 Stunden von Zürich entfernt :).

    1. 22. April 2013 at 15:58

      Ja, mach das! Und bring neben dem Fotoapparat viel Hunger mit – da kannst du dich nämlich einfach so durchschlemmen :-)

  4. 9. Mai 2013 at 19:39

    Bezaubernde Bilder die du da von Colmar geschossen hast. Ach, ich liebe diese Stadt so sehr… :-)

  5. 13. Mai 2013 at 10:34

    Danke für Dein Feedback, Sascha! Ich hab ich auch ein bisschen verliebt :-)

  6. 27. September 2013 at 17:20

    Colmar ist wunderschön! Irgendwie fühlt man sich in eine andere Zeit zurückversetzt mit den ganzen hübschen bunten Häuschen. Das Essen ist natürlich sensationell, vor allem die ganzen Taftes mit Früchten haben es mir angetan.

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