Deckname „Rosengarten“ – Kalter Krieg zum Anfassen im ehemaligen Regierungsbunker in Bad Neuenahr-Ahrweiler

Der ehemalige Regierungsbunker bei Bad Neuenahr-Ahrweiler wäre im Falle eines Angriffs auf Deutschland der Ausweichsitz für die Bundesregierung gewesen. Seit 2005 kann man einen Teil des Bunkers besuchen. Eine Zeitreise direkt zurück in den kalten Krieg.

Eingang in die Bunkeranlage in Ahrweiler

Eingang in die Bunkeranlage in Ahrweiler

„Und was machst Du so am Wochenende?“ Ich geh mir Bunker anschauen.“ Was sich erstmal nach einem Ausflug für passionierte N24 Zuschauer anhört, ist der Besuch eines des noch vor wenigen Jahren streng geheim gehaltenen Projektes und einer der teuersten Einzelinvestionen Deutschlands.

Unter den idyllischen Weinbergen der Ahr wurde nach dem zweiten Weltkrieg in einem ursprünglich für die Bahn gebauten (jedoch nie genutzten) Tunnel, ein Bunker mit einer Länge von 17 Kilometer gebaut.

Während des Kalten Krieges sollten hier die 3000 wichtigsten Amtsträger aus dem ca. 30 km entfernten Bonn bei einem Angriff in Sicherheit gebracht werden. Noch bis 1989 fanden hier alle zwei Jahre NATO-Übungen statt, bei denen der Ernstfall „geübt“ wurde.

eine der fünf Kommandozentralen - High Tech der 70er Jahre

eine der fünf Kommandozentralen – High Tech der 70er Jahre

Erst 1997 wurde der Bunker aufgegeben und bis auf 200m zurückgebaut. Der noch erhaltenen Teil ist nun ein vom Heimatverein Alt Ahrweiler betriebenes Museum, bei dem man ein ganz besonderes Stück deutscher Geschichte erleben kann.

Blick in den entkernten Tunnel in dem die restlichen 16,8 km der Bunkeranlage eingebaut waren.

Blick in den entkernten Tunnel in dem die restlichen 16,8 km der Bunkeranlage eingebaut waren.

Schon beim Eintreten in den Bunker fühle ich mich etwas beklemmt. Schwere Stahldrucktore, verschachtelte Gänge – der Zugang zum eigentlichen Bunker ist wie ein Labyrinth. Nicht ohne Grund: Durch diese Bauweise wären Druckwellen, zum Beispiel von einer Atombombe, bereits mehrfach gebrochen und abgemildert worden bevor sie zum Bunker vordrangen.

Es riecht etwas wie in meiner alten Schule. Nach Linoleum und Metall. Wir erreichen die Dekontaminationsräume am Eingang des Bunkers. Duschen allein hätte bei einem Atomschlag natürlich nicht gereicht, daher wäre mit Ameisensäure ein besonderes Duschgel zum Einsatz gekommen.

Der ehemalige Ausweichsitz der Bundesregierung war eine völlig intakte Unterwelt. Für die 3000 Menschen die dort im Notfall untergebracht werden sollten gab es 190 Festangestellte Mitarbeiter die alles permanent, auch außerhalb der Übungszeiten, am laufen hielten. Neben dem unterirrdischen Plenarsaal gab es unter anderem hunderte Büros, einen OP-Raum, eine Zahnarztpraxis, einen Friseursalon, mehrere Kantinen und ein Fernsehstudio des Westdeutschen Rundfunks. Dazu ein gigantisches Magazin mit Ersatz für jede noch so kleine Schraube.

Allein die Baukosten des Bunkers betrugen damals circa sieben Milliarden DM. Das ist heute ein ungefährer Kaufkraftwert von 14 Millarden Euro. „Jeder Meter im Tunnel kostet in etwa so viel wie ein Einfamilienhaus“ sagt unser Guide. Damit ist der Bunker in Ahrweiler eine der teuersten Einzelinvestionen der deutschen Geschichte.

Der Bunker ist für einen 30 tägigen Aufenthalt konzipiert worden. Was danach gewesen wäre, dafür gab es keinen Plan.

Ich fand den Besuch sehr spannend und beängstigend zu gleich. Auch wenn ich weiß, dass der Kalte Krieg noch nicht lange her ist, gefühlt habe ich es erst als ich mitten drin stand. Der Bunker ist ein Stück Geschichte zum Anfassen und gibt Einblicke in eine Welt in der dauerhafter Frieden noch nicht selbstverständlich war.

Dokumentationstätte Regierungsbunker

Am Silberberg 0
53474 Bad Neuenarh-Ahrweiler
Tel. 02641-9117053

www.dokumentationsstaette-regierungsbunker.eu

Öffnungszeiten für Einzelbesucher:

Mittwoch, Samstag, Sonntag und an gesetzlichen Feiertagen (Rheinlandpfalz) jeweils von 10:00 bis 17:00 Uhr.

Die letzte Führung startet um 16:30.

Eintrittspreise pro Person inkl. Führung:

Erwachsene €8,-
Familien €20,-
Frei für Kinder bis 12 Jahre in Begleitung

Den ehemaligen Regierungsbunker Ahrweiler hab ich im Rahmen der „Eifel-Bunker-Tour“ der Bunker-Dokumentationsstätten besucht. Nächste Woche berichte ich über den zweiten Teil der Tour dem Ausweichsitz des Landes NRW.

Vielen Dank an die Bunker Dokumentationsstätten und Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. für die Unterstützung und Einladung zu einem Besuch!

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4 thoughts on “Deckname „Rosengarten“ – Kalter Krieg zum Anfassen im ehemaligen Regierungsbunker in Bad Neuenahr-Ahrweiler

  1. 27. August 2013 at 11:35

    Ui super, ich liebe den Regierungsbunker! Er ist erschreckend und faszinierend zugleich. Ich war schon zweimal dort und könnte mir das alles immer wieder ansehen!

    Liebe Grüße
    Jessi

  2. 27. August 2013 at 22:25

    Sowas finde ich auch spannend, wobei ich dort noch nie war, und interessant zugleich. Der Bunker zeigt (vermutlich) wie in einer Zeitmaschine, wie es vor 40 Jahren technisch und ausstattungsmäßig aussah (wobe ich davon ausgehe, daß bestimmte Dinge der Einrichtung seit 1971 mal erneuert wurden). Ja, sowas könnte ich mir für einen Besuch auch mal vorstellen.

    LG
    Michael

    1. 28. August 2013 at 12:46

      Hallo Michael,

      Zeitmaschine kommt gut hin :-) Du kannst einen Besuch gut (wenn vielleicht auch nicht thematisch passend) mit einem Besuch auf einen der zahlreichen Weinfeste in der Region verbinden. Im Moment ist da jedes Wochenende ein anderes.

      Liebe Grüße,
      Sarah

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