Reise Nostalgie: Blogger erzählen von ihrer ersten Reiseerinnerung – Teil 5 mit Madlen von "Puriy"

Jeder von Euch hat sie und sie ist immer besonders: Die erste Erinnerung an eine Reise.

Egal ob an die ewig lange Fahrt nach Italien auf der Rückbank des roten Kombis, die erste Sandburg oder wie bei mir an einen Winterurlaub mit Opa und großen Kullertränen die nur von einem Filzhut getrocknet werden konnten.

Ich wollte von deutschen Bloggern wissen, was deren erste Reiseerinnerung ist.

Heute gibt es den fünften Teil mit Madlen von Puriy

„Meine Welt war etwas begrenzt. Alles war eng, alles hatte ein Ende. Entgegen dem eigentlichen Sinn der unendlichen Weite beschränkte meine Welt eine Mauer. Wie ist es so, hinter einer Mauer zu leben? Wie ist es so, von der Ferne nur zu träumen?

Man macht es sich einfach, fern zu sein. Aufgewachsen im südlichsten Zipfel der DDR an der bayrischen Grenze, suchte man sich die Ferne im Norden. Meine Eltern lieben anders als ich nicht die See. Sie zieht es in die Berge. Umso verwunderlicher lesen sich meine ersten Reisen: Rügen, Poel, Darß, Usedom, Mecklenburger Schweiz… allesamt im Norden der einstigen Deutschen Demokratischen Republik, im überwiegend platten Land. Sie taten es für uns Kinder.

Was man im Kindesalter gelernt hat, verlernt man nimmer mehr. Ich bin eine Wasserratte – durch und durch. Ich fühle mich ein bisschen als Meck-Pommerin und werde es wohl gerade ein Stück weit immer mehr. Mich zieht es hinaus in die Welt und gleichzeitig komme ich immer wieder an, wenn ich den Seeduft rieche, wenn sich die leicht wellige Landschaft mit endlosen Feldern und kleinen Bauminseln am Horizont auftut, wenn Rehe nachts die Straße umsäumen, der Hahn mich morgens weckt und die Vögel über unseren Köpfen ausschwärmen. Dann bin ich in Meck-Pom. Dann bin ich bei meiner ersten Reise – allein.

Madlen heute

Ich war damals in der dritten Klasse, als ich mein erstes Mal ohne mir vertraute Gesichter loszog. Auf einem kleinen Bahnhof im Thüringer Wald traf ich auf andere, fremde Kinder, mit denen ich gen Norden fuhr. Zahlreiche Freundschaften wurden geschlossen, noch bevor wir am Ziel waren. Immer wenn ich mich diesem kleinen Ort bei Neustrelitz noch heute nähere, verspüre ich dieses Gefühl der Nostalgie. Manchmal muss ich schmunzeln, wenn ich daran denke, dass ich von diesem Ferienlager aus täglich Zeilen in meine Heimat schrieb. Nicht per Tastatur, sondern als Brief. Erste internationale Kontakte wurden geknüpft, denn im benachbarten Ferienlager erholten sich polnische Jungen und Mädchen. Für mich war das damals durchaus schon exotisch und die große weite Welt. Denn bis dahin kannte ich nur deutsche Kinder. Wir begannen uns mit Händen und Füßen zu verständigen. Wir tauschten Spangen gegen Süßkram. Und man begann zu träumen. Wie mag dieses Polen aussehen? Kein Computer, der mir im Nullkommanichts Bilder von dieser anderen Welt hätte ausspucken können. Was mir blieb, war einzig und allein meine Fantasie.

Was waren die Tage aufregend, in diesem Hort des kindlichen Getümmels. Jeden Tag entdeckten wir ein Stück mehr – unsere Umgebung und uns selbst. Letztendlich war schon damals dieses erste Reisen ein Weg, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Das tue ich noch heute. Und dann auf der Suche nach einem kleinen Unterschlupf jenseits der Stadtgrenzen Berlins fuhren wir wieder durch diesen Ort, in dem inzwischen an Stelle des Kinderferienlagers ein Feriendorf gewachsen war. Meine Kindheitserlebnisse sind einfach weggewischt.

Ich stehe zwischen den komisch anmutenden bunten Häuschen, eines enger als das andere, die zur Erholung von der heimischen Wohnung in der Platte oder im Eigenheim im Klonstil aufgebaut wurden waren. Meine Reise in die Vergangenheit endet hier. Und dann gehe ich zum See hinab. Der Weg ist noch immer etwas zugewachsen. Der Steg, auf dem wir einst unser Neptunfest feierten, erscheint im neuen Glanz. Und dann schaue ich über die Wasseroberfläche, erst auf mein Spiegelbild, dann schweift mein Blick weiter. Immer weiter bis zum Horizont. Ich atme einmal tief die frische Seeluft ein, und weiß, das kann mir keiner nehmen.“

Seit ihrem einjährigen Aufenthalt in den USA 1995 reist Madlen neben Studium und Arbeit. Ihre Reisen führten sie in 47 Länder, wobei ihre besondere Leidenschaft Südamerika und Afrika gilt. Seit 2009 bloggt sie über ihre Reisen, seit 2012 gemeinsam mit Lars auf puriy.de.

Bei puriy stehen die Liebe zum Reisen, das aktive Erleben von Natur und das Interesse an anderen Kulturen im Mittelpunkt. Informationen, Geschichten und Fotos, die Madlen und Lars von ihren Reisen mitbringen, werden ergänzt mit Fakten, die sie sammeln, wenn sie wieder die Sehnsucht packt und von Deutschland aus die nächste Reise vorbereitet wird. So bestimmt das Interesse an anderen Kulturen und der Natur auch ihren Alltag in Berlin. Auch von dieser Seite betrachten die beiden auf puriy.de die Welt. puriy ist Reisen – Natur, Menschen, Kultur

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