Bombensicher in der Doppelgarage – der ehemalige Bunker und Ausweichsitz der Landesregierung NRW

„Wo ist denn hier der Bunkereingang?“ frage ich. Ich steh mitten im nirgendwo in  der tiefsten Eifel vor einem ganz normalen freistehendem Haus mit Doppelgarage. „Die Tarnung hält jedem James Bond Film stand, was?“ sagt unser Guide Claus Röhling und lacht. Der Eingang ist tatsächlich in der Doppelgarage. Wahnsinn.

1962 baut die Landesregierung NRW in dem kleinen Provinzdorf Urft in der Eifel einen geheimen atombombensicheren Bunker, um im Falle eines Atomkrieges von dort aus Zivilschutzmaßnahmen einleiten zu können. Über 30 Jahre war der Bunker jede Minute einsatzbereit, um im Falle eines Atomkrieges 200 Personen der Landesregierung zu beherbergen.

Ausweichsitz Bunker NRW

Hier gehts rein! Der gut getarnte Eingang des Bunkers.

Hier sollten die Krisenstäbe weiterarbeiten können während draußen der SuperGAU wütet, wären Hilfsmaßnahmen für die Bevölkerung gesteuert worden und hätte sich der Ministerpräsident über Rundfunk an die Bevölkerung wenden können. Drei Meter dicke Stahlbetonmauern  sollten die Beamten vor den atomaren Gefahren schützen. Lebensmittel, Medikamente, Trinkwasser, Treibstoff, Bettzeug, Ersatzteile, usw. waren ständig eingelagert und wurden von einem dreiköpfigen Mitarbeiterstamm gewartet.

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Der Bunker hat eine eigene Stromversorgung, einen Tiefbrunnen, eine Entgiftungseinrichtung, Funkanlagen, eine Krankenstation und ein Rundfunkstudio des WDR. Regelmäßig fanden dort Übungen statt für einen Ernstfall, der glücklicherweise nie eintrat. 1993 wurde der Bunker stillgelegt und verkauft.

Heute befindet er sich in Privatbesitz der Familie Röhling und ist ein Museum der besonderen Art.

Seit 2009 kann man dort jeden Samstag um 16 Uhr das “Was-wäre-gewesen-wenn-Szenario“  am eigenen Leib erfahren. Während der ca 2 stündigen Führung schlüpfst Du in die Rolle der Bunkerbesatzung und wertest ABC-Lagen aus, versuchst Flüchtlingsströme zu leiten und Wasser und Nahrung für Millionen Flüchtlinge zu organisieren.  Als Teil dieses Krisenstabs auf Zeit stellst Du fest welche Gebiete am schwersten getroffen sind und musst mitentscheiden wo Hilfe geleistet wird und wo jede Hilfe zu spät kommt. Harter Stoff. Nicht nur ich habe während der Führung einen dicken Kloß im Hals.

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Claus Röhlings Führung ist richtig gut und spannend gemacht. Er rattert keine nackten Fakten runter, sondern involviert die Besucher während der gesamten Tour und versorgt uns mit reichlich Hintergrundinfos on top.

Wusstest Du zum Beispiel, dass entlang des Rheins Notbrücken gelagert werden  oder das Deutschland noch heute für alle Bürger einen ständigen Lebensmittel-Notvorrat  für sieben Tage hat?

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Im Bunker mit Claus Röhling

Im Gegensatz zu dem ehemaligen Bunker der Bundesregierung in Ahrweiler wurde hier nur sehr wenig zurückgebaut und der Bunker befindet sich zum Großteil im Originalzustand.

Im Fernschreiberaum kann noch heute auf feinster sechziger Jahre Technik getippt werden, und neben dem fast raumfüllenden Tisch mit Deutschlandkarte auf der die Ausbreitungsrichtung von den radioaktiven Niederschlag eingezeichnet werden sollte (und was wir während der Führung auch als Teil unserer „Übung“ taten) liegen noch die Formblätter zur ordnungsgemäßen bürokratischen Bearbeitung des Atomschlags.

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Gänsehaut beim simulierten Verlauf einer radioaktiven Wolke

Auch das WDR Studio funktioniert noch heute einwandfrei – vor kurzem wurde von dort sogar eine Sondersendung des WDR ausgestrahlt.

Auf einem alten Magnetbad läuft auf Knopfdruck die geplante Musik zum Weltuntergang : Edith Piafs „Je ne regrette rien“.

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Führungen gibt es jeden Samstag um 16:00 Uhr und kosten für Erwachsene €10, Kinder bis einschließlich 14 Jahren zahlen €5.  Eine Voranmeldung ist notwendig und kann direkt über die Website gemacht werden

Dokumentationsstätte ehemaliger Ausweichsitz der Landesregierung NRW
Betreiber: Harald Röhling
Am Gillesbach 1
53925 Kall-Urft

www.ausweichsitz-nrw.de

Den ehemaligen Regierungsbunker des Landes NRW habe ich im Rahmen der “Eifel-Bunker-Tour” der Bunker-Dokumentationsstätten besucht. Einen Bericht über den ersten Teil der Tour im ehemaligen Bunker der Bundesregierung in Ahrweiler findest Du HIER.

Vielen Dank an die Bunker Dokumentationsstätten und Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. für die Unterstützung und Einladung zu einem Besuch!

 

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5 thoughts on “Bombensicher in der Doppelgarage – der ehemalige Bunker und Ausweichsitz der Landesregierung NRW

  1. 4. September 2013 at 20:41

    Urgs … ja verstehe ich gut das mit dem Klos im Hals. Den hatte ich vor Jahren mal, als ich das Marineehrenmal in Laboe besucht habe. Das mit dem Lebensmittelnotvorrat habe ich schon mal gehört. Die werden m.W. sogar regelmäßig erneuert. Je ne regrette rien (ein wunderschönes Lied übrigens) erinnert mich an irgendwas. Wo habe ich das letztzens noch gehört (außer in Inception)? Fällt mir irgendwann wieder ein :-). Schöner Bericht und Einladung zum eigenen Besuch.

    LG
    Michael

  2. 8. September 2013 at 15:51

    Das sieht alles ganz herlich nach Retro aus. Die Commodore 64 Tastaturen erinnern mich an meine Kindheit und die Telefone würde ich mit ihrer schicken Wählscheibe sofort mitnehmen. :-)
    Die Piaf als Begleitmusik zum Armageddon ist fast schon humorig für die Bundesregierung. :-)
    Und 10€ Eintritt für ein 2-stündiges Vergnügen sind ein angemessener Preis.
    Gruß, Max

    1. 8. September 2013 at 20:53

      Hallo Max, danke für Deinen Kommentar! Ja, Piaf ist schön makaber-spaßig und bei den Telefonen bin ich ganz Deiner Meinung – so eins hätte ich auch gerne ;-) Liebe Grüße, Sarah

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