Jerpoint Park – die verlorene Stadt in Kilkenny und warum der Nikolaus in Irland begraben ist.

Von unserem Hotel in Wicklow sind es eigentlich nur knapp 80 Kilometer bis Thomastown in Kilkenny, das Navi sagt wir brauchen trotzdem 2 Stunden. Unsere Fahrt durch die ewig grünen Landschaften Irlands zeigt schnell, dass das Navi recht behalten wird.

Die Landstraßen sind schmal und manchmal etwas holprig, Kurve an Kurve schlängeln wir uns durch den Nieselregen Richtung Thomastown, Kilkenny. Ich bin in Irland das erste Mal im Linksverkehr unterwegs und auch wenn es zugegebenermaßen einfacher ist als erwartet ist, zum Ende der Fahrt bin ich ziemlich platt.

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Das ändert sich jedoch sofort als wir Jerpoint Park erreichen und neben dem Herrenhaus, welches direkt aus einer Ausgabe von „Country Living“ entsprungen sein könnte, parken und von Maeve und Joe voller Herzenswärme begrüßt werden. Ob wir Hunger hätten von der langen Fahrt und ob wir wirklich nur für sie extra aus Wicklow hergekommen sind fragen sie uns.

Joe und Maeve O`Connell

Joe und Maeve O`Connell

Maeve und Joe führen uns in ihr Haus, im Salon hat Maeve für uns bereits ein Mittagessen vorbereitet. „Den Salat hab ich nach einem Rezept meiner Mutter gemacht“ sagt Maeve und lacht übers ganze Gesicht. Der Salat aus Sellerie, Kartoffeln und Nüssen ist einfach köstlich. Genau wie das Brot und der Käse vom Bauern aus der Nachbarschaft.

Lunch with a view

Lunch with a view

Bei  einer Tasse Tee erzählen uns Joe und Maeve von „ihrem“ Jerpoint Park. Als die beiden vor einigen Jahren das Anwesen gekauft haben, hatte sich die Natur das Land zu einem Teil bereits zurückgeholt. „Siehst Du den Baum da hinten?“ fragt mich Joe, „den haben wir erst nach einem halben Jahr entdeckt, so zugewuchert war das hier alles.“

Das Wohnhaus von Maeve und Joe hat 16 Zimmer, die die beiden über die Jahre liebevoll nach allen Regeln des Denkmalschutzes wieder auf vordermann gebracht haben. Es ist wunderschön und ich möchte am liebsten einziehen. Noch beindruckender wird es aber als Joe beginnt von der Geschichte Jerpoints erzählt. Jerpoint war im 12. Jahrhundert eine Stadt mit 27 Wohnhäusern, einer Brauerei, einer Mühle, einem Gericht, Marktplatz und 14 Tavernen. 14 Tavernen auf 27 Häuser klingt ziemlich viel. Jerpoint lag jedoch strategisch klug eingebettet zwischen zwei Flüssen und war damit für den damaligen Handel von großer Bedeutung. Eine Stadt mit vielen Gästen also. Noch heute kann man die alten Straßen und Befestigungen erkennen, daher ist Jerpoint von großer historischer und archäologischer Bedeutung.

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Die Ruinen der Kirche St. Nikolaus und des Friedhofs in Jerpoint Park

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Unterwegs mit Joe. Früher war er Farmer heute ist Jerpoint und seine Geschichte sein Leben.

Ich bin kein Historiker und trotzdem ziehen mich Joes Erzählungen über die verlorene Stadt in ihren Bann. Das auffälligste Gebäude sind wohl die Ruinen der St. Nikolaus Kirche und dem angrenzenden Friedhof. Joe zeigt uns Grabsteine aus dem Mittelalter bis hin zu welchen aus dem 19.Jahrhundert und erklärt uns die versteckte Symbolik der Grabinschriften.

In einem Grab liegt jemand ganz besonderes. St. Nikolaus himself! Ist das zu fassen?! Ich hatte jedenfalls keine Ahnung, dass Nikolaus in Irland seine letzte Ruhe gefunden hat. Joe erklärt uns das zwei Ritter die aus einem Kreuzzug zurückkehrten die sterblichen Überreste aus Bari (Italien) mit nach Jerpoint brachten in der Annahme, dass ein Grab an diesem Platz sicherer  wäre. Wahnsinn!

Das Grab von St. Nikolaus!

Das Grab von St. Nikolaus!

Wir streifen weiter über das weitläufige Anwesen und ich wünschte Geschichtsunterricht wäre immer so spannend wie dieser Nachmittag mit Joe. Er macht uns auf viele Details aufmerksam, erzählt uns von der lokalen Flora und Fauna und seine Begeisterung für „seine“ verlorene Stadt springt auf Kelly und mich über.

Joe und Kelly unterwegs auf historischen Wegen

Joe und Kelly unterwegs auf historischen Wegen

Maeve und Joe möchten diesen historischen Ort bewahren und schützen. Und vor allem möchten Sie ihn mit anderen teilen und die Geschichte weitertragen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass es ihnen gelingen wird.

In Jerpoint Park dürfen nur Schafe weiden - Kühe wären zu schwer und würden die Überreste der alten Stadt zerstören.

In Jerpoint Park dürfen nur Schafe weiden – Kühe wären zu schwer und würden die Überreste der alten Stadt zerstören.

Vielen Dank für den tollen Tag und Eure Gastfreundschaft Maeve und Joe! Wir werden Jerpoint ganz sicher nicht vergessen!

Kontakt:

Jerpoint Park, Thomastown, Co Kilkenny – Ireland +353(0)866061449 www.jerpointpark.com

Meine Reise wurde von Irland Tourismus unterstützt. Herzlichen Dank!

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